Glitch in der Matrix – den Alltag (auf)brechen
In dem Workshop „Glitch in der Matrix – den Alltag (auf)brechen“ gilt es die Sinne für das Unkonventionelle, das Unsichtbare, das Ungewöhnliche, Unschöne und Ungewollte in den visuellen Routinen der Schülerinnen und Schüler hervorzubringen, sowohl in digitalen wie auch analogen Umgebungen.
Hierbei sollen zunächst eingefahrene Wahrnehmungsweisen bspw. beim Weg von zu Hause zur Schule bewusst gemacht werden und durch die sensibilisierte Wahrnehmung auf kleine visuelle, akustische oder gar olfaktorische Brüche (flackernde Leuchtreklame, Diebstahl-Alarm eines Autos ertönt aus dem Nichts, im Bus verbreiten sich Gerüche von Essen,…). In einem weiteren Schritt soll die bewusste Arbeit mit brüchigen, fehlerhaften, unintendierten Beziehungen und deren Bedeutungspotenzial gearbeitet werden. Wie setze ich zwei oder mehrere Elemente in einer Beziehung zueinander, die bewusst NICHT normativ „schön“ ist? Dafür können die Spuren aus den vorangegangenen Alltagsbeobachtungen genutzt oder anderweitig durch verschiedene Disziplinen gearbeitet werden. Hierbei ist mir wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler multidisziplinär arbeiten, um eine offenere Haltung gegenüber erweiterten Kunst- und Bildbegriffen zu etablieren und die Möglichkeitsräume der Mixed-Media Arbeit zu wertschätzen. Durch das Anbieten verschiedener Techniken, die während des Workshops erprobt und mitgebrachte Geräte, deren künstlerische Zweckentfremdung genutzt werden sollen, entwickeln die Schülerinnen und Schüler zudem ein Gefühl für die selbstständige, explorative Projektarbeit. Am Ende entstehen Prozessportfolios, die den ästhetischen Umgang mit Fehlern und Brüchen aus Schüler:innenperspektive zeigen, sowie einzelne Studien und Ergebnisse, die für den Ausbau einer sog. „Glitch Didaktik“ (mein derzeitiges Promotionsthema) überaus wertvoll sind.
Grundlegende theoretische Positionen wie John Berger, Ossian Ward, Juliane Rebentisch und Künstler:innen-Positionen wie Anna Oppermann, Viktoria Binschtok, Bjorn Melhus, Invader, Aram Bartholl oder Saul Leiter unterfüttern den Workshop.
Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium
Dietrich-Bonhoeffer-Platz 1
17489 Greifswald
Niklas Washausen
Kunstpädgogischer Forscher / Medienkünstler