Lenz, Silke

Der Nachklang der Sophia Westenholz

Eleonore Maria Sophia Westenholz (1759-1838) brachte mit ihrem Klavierspiel als „Directeur“ Ludwigslust um 1790 zum Klingen. Ihr bemerkenswerter Lebensweg, der sie achtfache Mutter sowie professionelle Sängerin, Pianistin und Lehrerin am Hofe des Herzog Friedrich und Friedrich Franz I werden ließ, steht stellvertretend für alle selbstbewussten Frauen, die, wenn auch oft unbeleuchtet und in Vergessenheit geraten, unsere Geschichte mitgestalteten.
Als gefeierte Mozart-Interpretin sowie als Glasharmonika-Spielerin ging sie auf Konzerttourneen nach Berlin, Hamburg, Schwerin, Kopenhagen, Leipzig, Stettin und viele andere Städte, um einerseits ihre Kinder nach dem Tod des Gatten zu versorgen, ihnen zugleich aber auch Kunst und Kultur nahezubringen. Ihre Kompositionen für Gesang und Klavier stellen ein qualitätsvolles Ouevre dar, wenngleich die meisten Werke erst posthum herausgegeben wurden.
Zeitlebens stand Sophie für ihre Rechte ein: als Musiklehrerin der „fürstlichen Kinder“ erwirkte sie ein höheres Gehalt sowie eine Sonderzulage für die Bildung ihrer Kinder. Ob sie tatsächlich in der noch immer männerdominierten (Musik)welt den Dirigierstab in Männerrobe schwang, bleibt ein Geheimnis. Dass sie jedoch durch Konzertmeister Louis Massonneau allerlei öffentliche Anfeindungen erfuhr, gilt als belegt: „(…) indem er mich mit dem Violin-Bogen auf den Arm schlug, und mir mit einer boshaften Miene drohte, das Tempo nicht zu geben“. Die Verletzungen häuften sich in den folgenden zehn Jahren, sodass Sophie Herzog Friedrich Franz I um Entbindung ihrer Leiterin der „Singe-Musicken“ bat. Dieser bewilligte dies, verpflichtete sie jedoch als Zeichen seiner Anerkennung, bei weiteren Konzerten zu spielen. Im hohen Alter von 79 Jahren verstarb sie in Ludwigslust. 

In dem Workshop verfolgen die Schüler*innen den Nachklang der Musikerin und Komponistin Eleonore Maria Sophia Westenholz. Im Nachempfinden des Lebensweges einer selbstbewussten Musikerin, welche die Gleichstellung in ihrem Beruf und eine größere Wertschätzung des künstlerischen Schaffens einforderte, können die eigene Lebenswelt und Bezüge zum Heute gezogen werden.
Die Wirkungsstätte, der Lebensort, das Schloss und der Park in Ludwigslust werden mittels Tanzes, Musik und performativen Bewegungsrecherchen erkundet. Die Kompositionen von Sophia Westenholz können auf dem Perzina-Flügel im Gymnasium Ludwigslust wieder zum Klingen gebracht werden.
In der abschließenden Performance kreieren die Schüler*innen ihre Sicht auf eine bemerkenswerte Frau ihrer Zeit und können Fragen zum heutigen Berufsbild von Künstlerinnen und Künstlern bewegt, klingend und laut formulieren. 

Goethe-Gymnasium Ludwigslust

Christian-Ludwig-Str. 3
19288 Ludwigslust 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Silke Lenz

Freie Tanz- und Theaterschaffende